Das Leben Jesu Christi in Indien, das nirgends aufgezeichnet ist
Aus: Teachings of Swami Satyananda Saraswati (1987)
Frage: Es werden Stimmen laut, die behaupten, Jesus habe in seinen jungen Jahren einige Jahre in Indien studiert. Ist das wahr? Auerdem ist eine hnlichkeit zwischen der Geburt von Jesus und der Geburt von Krishna nicht abzustreiten. Ist es mglich, dass diese beiden in Wirklichkeit ein und derselbe waren?
Swamijis Antwort: Jesus und Krishna waren zwei groe, gttliche Wesen, und die Mythen, die ihre Geburten beschreiben, hneln sich sehr. Von Krishna wird erzhlt, dass er in Mathura zur Welt kam, wo seine Eltern von dem gottlosen Knig Kamsa gefangen gehalten wurden. In der Geburtsnacht floh Vasudeva mit seinem neugeborenen Sohn Krishna ber den Yamuna-Fluss nach Gokul. Der Knig, der in groer Angst lebte, dass dieses Kind ihn vernichten wrde, lie alle Babys in dieser Gegend tten. Diese Geschichte ist der Geburtsgeschichte Jesu, wie sie in der Bibel erzhlt wird, sehr hnlich.
Es gibt in Indien zwei Auffassungen, was die hnlichkeit dieser Geschichten betrifft. In der einen betrachtet man Christus und Krishna als nicht von einander verschieden. Krishna ist in vielen Orten Indiens - besonders in Bengalen und Orissa - als Kristo bekannt, und nicht als Krishna. So gibt es hier viele Menschen, die davon ausgehen, da Christus' Geburtsgeschichte die Geschichte Krishnas ist, die von Indien in den Mittleren Osten getragen wurde; so, wie Rama's Geschichte von Indien in verschiedene Teile von Sd-Ost-Asien getragen wurde. Auch heute noch kann man in Java, Sumatra, Bali, Kambodscha, Thailand und Borneo Rama's Geschichte in der indischen Fassung hren.
Gut, dieses ist eine Theorie. Es gibt aber noch eine andere, die besagt, da weder Krishna noch Christus wirklich geboren wurden. Von einigen alten Philosophen dieser Richtung stammt die Geschichte der individuellen Seele, dem Atman, der inneren Seele. Krishna ist die innere Seele, die sich durch diesen Krper manifestiert. Der Krper ist ein Gefngnis, in der die individuelle Seele gefangen ist, und der jeweilige Krper wird vom Willen oder den Ausdrucksformen des Bewusstseins regiert - Symbol dafr ist Knig Kamsa. Ich spreche hier ber die verschiedenen Blickwinkel, nicht nur mit historischem sondern ebenso mit esoterischem Hintergrund. Es wre gut, wenn sich Menschen anderer Religionszugehrigkeit auch mit dieser esoterischen Interpretation auseinandersetzen wrden.
Nehmen wir an, dieser Krper ist ein Gefngnis, in dem der Atman gefangen ist. Der Krper wird vom Gemt und dem niederen Bewutsein gefhrt und regiert und erlaubt der Seele nicht, sich zu zeigen; ja, wenn immer sie einen Weg nach auen sucht, wird dieser Versuch von den niederen Tendenzen verhindert. Irgendwann im Leben kommt aber die Zeit, wo sich die Seele manifestieren muss, ob man es mchte oder nicht. Dieser Moment ist Symbol fr die Geburt Krishnas. Wenn Shakti erwacht, sind die niederen Tendenzen berwunden. Krishnas Vater Vasudeva wurde gefangen gehalten. Dies ist die esoterische Interpretation, es sind nicht die geschichtlichen Ereignisse.
Und nun widmen wir uns Jesus Christus. Er war der Sohn eines Tischlers. Was ist ein Tischler? Er fertigt einen Stuhl und einen Tisch aus verschiedenen unfertigen Holzstcken. Dieser Krper ist ebenfalls aus verschiedenen Teilen gemacht, die von einem Tischler zusammen gefgt werden. Und dieser Tischler ist die Natur.
Christus ist das innere Licht, das Licht der Seele. Dieses Licht weilte unter den Juden, die die mentalen Samskaras, die Eindrcke der Vergangenheit, der verschiedenen Aberglauben, Motive und Tendenzen des Menschen, reprsentieren. Christus wanderte in ihrer Mitte und versuchte, ihnen die Wahrheit zu sagen, aber sie wollten diese Wahrheit nicht hren. So wie eine Stimme in uns sagt: Ich sollte nicht rauchen, nicht trinken usw., und die andere Seite in uns kmmert sich nicht darum. Die Juden beschimpften Christus als Hexenmeister, als Schwarzmagier; dass er ein Prophet war, wollten sie nicht sehen.
Christus ist das Licht, die lautere Begrndung des Menschen, die Stimme, die deutlich sagt, wo wir einen Fehler machen. Aber wir machen uns nichts daraus, wir hren nicht hin. Schlielich wird die Seele von den weltlichen Wnschen und Motiven ganz und gar unterdrckt und geht zum Kreuze. Sie stirbt jedoch nicht, sondern steht wieder auf. Das Kreuz ist nicht der Tod, sondern symbolisiert das Erwachen von Kundalini, der spirituellen Kraft im Menschen.
Christus wurde zwar gekreuzigt, aber er starb nicht am Kreuz. In der Nacht hat man ihn mit den beiden anderen, die mit ihm gekreuzigt wurden, herunter genommen, und die Soldaten stachen ihm eine Lanze in den Krper. In der Bibel steht geschrieben: `...und das Wasser floss heraus'. Dieser Satz soll zum Ausdruck bringen, dass Christus nicht tot war, denn Wasser oder Blut fliet nicht aus einem toten Krper.
Jesus Christus war also nicht tot, als sie ihn vom Kreuz nahmen. Sie brachten seinen Krper in eine Hhle und rollten einen Felsblock vor die ffnung. Viele Menschen bewachten die Hhle, aber Jesus' Jnger wussten sehr genau, dass er noch lebte. In der Nacht gingen sie zu ihm, verbanden seine Wunden und pflegten ihn. Am dritten Tag ging es ihm besser, und er verlie die Hhle.
Deshalb sagt man, dass Christus von den Toten auferstanden ist, aber wir knnen es auch so deuten, dass er sein Sinnesbewusstsein zurck erlangt hat. Spter traf er Thomas, einen seiner Jnger, und folgte ihm. Thomas glaubte ihm nicht, dass er Jesus Christus sei, bis dieser ihm die Zeichen der Kreuzigung an seinem Krper zeigte. Daraufhin entstand der Glaube, dass er vom Himmel herabgestiegen sei.
Als Christus zu seinen Jngern kam, haben ihn viele aus Angst vor Verfolgung verlassen, und so dachte er sich: `Warum soll ich meine Zeit mit diesen Menschen verschwenden? Ich habe meine eigenen Gemeinschaften in anderen Teilen des Landes.' Er verlie Jerusalem, seinen Geburtsort und kam nach Kaschmir. In der Bibel knnen wir nachlesen, dass dreiundzwanzig Stmme der Israelis nach Kaschmir zogen. Als er Kaschmir erreichte, starb er, weil sein Krper von der Kreuzigung zu sehr geschwcht war. In Shrinagar in Kaschmir wird bis zum heutigen Tag sein Grab gepflegt. Der Name Isho Asap steht auf dem Grabstein geschrieben. Ich habe diesen Ort selbst besucht.
Christus hat demnach das Evangelium nicht nur den Menschen von Jerusalem gepredigt, sondern auch seinem Volk in Kaschmir. Viele Ortsnamen in Kaschmir tragen gleiche Namen, wie die um Jerusalem herum, z.B. Palstina oder Galila. Von Kaschmir aus gingen einige seiner Jnger - Johannes, Thomas und andere - entlang der Westkste Indiens gen Sden. In Malhatad steht die lteste Kirche der Welt, die von Jesu Jngern erbaut wurde. Das erste Evangelium kam erst im dritten oder vierten Jahrhundert nach Indien, aber die urchristliche Lehre wurde zuerst in Indien gepredigt, dann ging sie in die Welt. Das ist meine berzeugung.
Frage: Glaubst du, dass man Shiva vom esoterischen Gesichtspunkt aus auch als Retter betrachten kann, so wie Christus und Krishna? Von ihm wird gesagt, dass er das Gift trank, um die Welt zu retten.
Swamijis Antwort: Ja, aus esoterischer Sicht kann man die drei miteinander vergleichen. Das Christusbewusstsein, das Krishnabewusstsein und das Shivabewusstsein sind die hheren Energiestrme, die sich im Menschen entwickeln. Aus diesem Grund sind die Charakteristika sehr hnlich. Christus starb fr die Snden der Menschheit, und Shiva trank alles Gift, um die Menschheit zu retten.
Frage: Was geschah, als Jesus ein junger Mann war? Kam er nach Indien?
Swamijis Antwort: In zwei indischen Schriften finden wir deutliche Hinweise auf Jesus. Das eine sind alte Aufzeichnungen der Nalanda Universitt, 100 Meilen von Munger entfernt. In ihrer Bltezeit studierten dort eintausend Studenten. Die Universitt hatte eine stattliche Bibliothek mit Tausenden von Texten, die zuerst von Bhaktiyar Khiji, einem der groen Einwanderer, und spter von den Hindus vollkommen zerstrt wurde. Zweimal wurde die Bibliothek in Brand gesetzt und unzhlige alte Texte gingen verloren.
In den Universittsaufzeichnungen von Nalanda existiert der Hinweis auf einen Mann aus Palstina, der Sohn von Maria und einem Tischler, von seinem Volk nicht sehr geliebt, von groer Statur und einem Bart. Hier steht auerdem: `Unter den tausend Studenten ist er wirklich herausragend.' Ein anderes Mal wird er in alten Aufzeichnungen aus Nepal erwhnt. Hier wird von einem Studenten aus Nalanda mit seinem Namen gesprochen, der Nepal besuchte und dort mit vielen Pandits zusammentraf. Auerdem gibt es einen Hinweis darauf, dass Christus drei Jahre in Benares gelebt hat. Zusammengerechnet ergibt das dreizehn Jahre, in denen Christus in Indien gelebt hat. In der Bibel fehlen diese dreizehn Jahre. Wo sind sie? Indien hat die Antwort.
Frage: In der Bibel wird gesagt, da ber diese Jahre nichts bekannt ist.
Swamijis Antwort: Ja, aber in Indien wusste man von diesem groen Mann schon vor seiner Geburt. Indische Astrologen haben seine Sterne beobachtet; sie sagten voraus, dass er ein groer Prophet werden wrde. Als Jesus zur Welt kam, reisten vier weise Mnner aus dem Osten zu ihm, indem sie einem Stern folgten. Sie folgten nicht irgendeinem hellen Stern, sondern dem Stern seines Horoskops. Sie suchten nach dem Platz, wo der Prophet geboren wurde, fanden ihn und kamen wieder zurck. Dieses Ereignis wird in den Schriften erwhnt.
Nun, ich komme jetzt zu der Philosophie Jesu Christi. Ich mchte sie eine Kombination von der buddhistischen Ethik und dem hinduistischen Bhakti nennen. Bhakti ist Gottesliebe, Selbsthingabe - `Es wird geschehen'. Das war seine Lehre. Christus predigte ethische Grundstze, die denen von Buddha sehr hnlich waren. Als Christus nach Nalanda kam, war er von der buddhistischen Ethik sehr beeindruckt, aber er sah auch ihre Unvollkommenheit. Es fehlte das Gottvertrauen. Er nahm sich vor, zu seinem Volk zurckzugehen und die ethischen Grundstze des Buddhismus vereint mit Gottvertrauen zu lehren. Das war die Essenz der Bergpredigt.
Was ich hiermit sagen mchte, ist folgendes: Christi Philosophie war eine geglckte Verbindung von hinduistischem Vertrauen und buddhistischer Ethik, denen er in Nalanda, in Varanasi und in Nepal begegnete. In Nepal sind Hinduismus und Buddhismus zu einer einheitlichen Kultur verschmolzen. Varanasi (Benares) ist der Mittelpunkt des Hinduismus und Nalanda der Mittelpunkt des Buddhismus. Christus studierte an diesen drei Pltzen, er lernte drei verschiedene Philosophien, die er spter miteinander verband.
Es ist sicher, dass Christus geboren wurde und von Anfang an einen groen Auftrag in sich trug. Aber die Atmosphre in seiner Heimat war fr diesen Auftrag nicht sehr frderlich, deshalb ging er nach Indien, dem Land der spirituellen Kultur. So wie wir nach Amerika oder Deutschland gehen, um technisches Training zu erhalten, so kam Christus hierher nach Nalanda, nach Benares und nach Nepal. Erleuchtet kehrte er dann zurck. Er beherrschte Pranayama, und er muss ein Hatha Yogi gewesen sein. Er hatte psychische Krfte, denn er konnte Lazarus vom Tode erwecken und heilte viele Menschen; er konnte ber Wasser laufen.
Christus kehrte nach Jerusalem zurck und predigte, was er gelernt hatte, aber die Menschen dort verstanden ihn nicht und kreuzigten ihn. Er berlebte, kam nach Kaschmir und wollte vielleicht nach Indien kommen, starb aber auf dem Weg in Kaschmir. Das ist unsere berzeugung in Indien. Es ist wahrscheinlich nicht das, was ihr im Westen glaubt.
Frage: Ich glaube, wir sind gezwungen, unseren Glauben zu berprfen. Im Westen betrachten wir viele von Jesu Taten als Wunder, whrend sie in Yoga alle erklrbar sind.
Swamijis Antwort: Ja, das ist richtig. Fr jemanden, der mit einem ganz bestimmten Ziel hierher gekommen ist, ist es nichts Auergewhnliches, Wunder zu vollbringen. Krishna hat Wunder vollbracht und Christus ebenso. In unserer heutigen Zeit ist Sai Baba dafr bekannt, Wunder zu vollbringen. Swami Nityananda, ein Kundalini Yogi, der vor einigen Jahren starb, gehrte auch zu ihnen. Er verhielt sich wie ein Verrckter. Er lebte unter einem Baum - ein Haus hatte er nicht - und war umgeben von Tigern, die still an seiner Seite lagen wie Schohunde. So verschreckte er viele Menschen, die gern zu ihm gekommen wren.
Swami Sivananda hatte ebenfalls auergewhnliche Krfte, Gott allein wei, wie gro sie waren. Wie Jesus Christus wusch und lte er die Fe von kranken Menschen, er pflegte Leprakranke und Behinderte in seinem eigenen Krankenhaus.
In Indien kennen wir diese groen Mahatmas und Heiligen - es gibt noch andere - und verehren sie. Aus diesem Grunde knnen wir die Geschichten ber Jesus' Wunderkrfte ohne weiteres akzeptieren. Vielleicht hat er noch viel mehr vollbracht, wir wissen es nicht.