Das Gedicht "Er ist's" von Eduard Mörike birgt eine tiefe Erwartungshaltung in sich, obwohl es sehr kurz und einfach geschrieben ist. Es besteht aus neun Verszeilen, die nicht in Strophen gegliedert sind. Das Reimschema ist der Kreuzreim aber mit Ausnahme auf die Verszeile 8, dadurch wird die Verbundenheit des Autors mit der Natur unterstrichen. In der letzten Zeile spricht das lyrische Ich. Die Betonung des Gedichtes ist jambisch, beim Vorlesen erweckt dies so den Eindruck als würde man durch die Gegend schlendern und ganz nah am Geschehen sein. Man freut sich auf die nächsten Zeilen, weil es schon gewiß ist, dass auch diese eine sehr positive Stimmung rüberbringen werden, das Gedicht lebt durch seine stets positiven Gedanken an den Frühling. Desweiteren liegen eine Reihe von Personifizierungen vor. Es beschreibt den Anfang des Frühlings, die Vorfreude auf das noch kommende und die dadurch veränderte Umwelt "Süße, wohlbekannte Düfte", "Veilchen träumen schon".
Der Autor schrieb dieses Gedicht während seiner praktischen Ausbildungsphase zum Pfarrer. Vielleicht auch als Ausdruck seiner Vorfreude auf die Ordination* in den Pfarrerdient.
Das Thema ist der Beginn des Frühlings mit seinen Reizen und Veränderungen. Es beginnt mit einer Metapher "Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte", welches ausdrücken soll, wie sich der helle blaue Himmel langsam vor den grauen der alten Jahreszeit schiebt.
"Süße wohlbekannte Düfte" Hauptaugenmerk sollte auf wohlbekannte gelegt werden, denn dieses wirkt sich auch auf die nachfolgenden Zeilen aus. Es sagt aus das alles geschriebene schonmal erlebt wurde. Somit kann von Erfahrung gesprochen werden, die die Vorfreude nur noch mehr unterstreicht. und auch das der Frühling sich bald voll entfalten wird steht für ihn fest.
Mit "Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen." möchte der Autor sicher auch auf sein bewegtes Leben hinweisen. Er wechselte mehrmals seine Wohnorte, aber er war auch begeisteter Steimsammler und was für andere Veilchen bedeuten vermag für ihn ja wertvolle Steine gewesen sein.
Nach dem Sehen und Riechen bringt der Autor nun auch den Sinn "Hören" mit ein: "Horch, von fern ein leiser Harfenton!" Der Mensch soll den Frühling mit all seinen Sinnen wahrnehmen. Etwas zu hören hat auf den Menschen eine andere Wirkung wie etwas zu sehen oder zu riechen. Etwas lautes zu hören kann einen aufschrecken lassen, etwas schönes zu hören wie einen Harfenton " Horch, von fern ein leiser Harfenton!" kann etwas bestehendes unterstreichen und intensivieren. Geräusche, Düfte und Bilder, alles greift hier nahtlos ineinander über sodass man dazu leicht neigt jeden Zweifel an der Richtigkeit auszuschließen. Mit "Frühling, ja du bist's!" wird der Frühling als einen guten alten Freund, den man von früher kennt angesprochen. Eine Personifizierung liegt vor, mit dem Titel ist dasselbe gemeint. Man kann hier eine Erleichterung verspüren, dem Frühling wieder einmal zu begegnen. Der Autor Eduard Mörike war oft krank, darum denke ich kann man hier davon ausgehen das man diese Zeile auch mit der Sorge um sein Leben verbinden kann, denn es war ihm wohl immer wieder ungewiß ob er nocheinmal dies oder das, oder den nächsten Frühling erleben würde. Mit der Aussprache des lyrischen Ichs mit "Dich hab ich venrommen!" erreicht das Gedicht seinen Klimax - ein krönender Abschluss, der ganz simpel nocheinmal alles davor geschriebene bestätigt und den Leser fragt ob dieser den Frühling auch schon bemerkt hat.
Der Autor fordert den Leser, ja zwingt den Leser förmlich dazu, hinaus zu gehen und die Winterdepressionen abzustreifen und den Frühling in vollen Zügen zu genießen. Allerdings lässt er die Frage offen was passieren mag, wenn sich der Frühling, z.B. in Form von schlechtem Wetter ungütig zeigt.
* Ordination ist eine gottesdienstliche Handlung in christlichen Kirchen und im Judentum, durch die Menschen (in katholischen, orthodoxen und in vielen Freikirchen nur Männer) zum geistlichen Amt gesegnet, geordnet und gesandt werden
"Der Lenz", über dessen Ursprung nichts weiter bekannt ist als das es im 13. Jahrhundert verfasst wurde, ist in 2 Strophen mit 16 Zeilen gegliedert. Die Betonung ist wieder jambisch, allerdings ist das Gedicht im Kreuzreim geschrieben. Es handelt sich nicht um eine einzige Person, sondern um eine Gruppe, ein "wir" aus Personen, die anscheinend in allseitiger Harmonie miteinander weilt. Eine besondere Rolle spielt die Farbsymbolik.
Der Lenz hat seinen Anfang gefunden "Nun will der Lenz uns grüßen, von Mittag weht es lau". Das "aus allen Ecken sprießen" aus Zeile 6 drückt die unkoordinierte Verbreitung der Blumen, und damit des Lenz' aus. Das darauf folgende "die Blumen rot und blau" unterstreicht den Gedanken mit seiner Farbsymbolik, die auch im fortführenden Text Anwendung findet. Rot ist als Signalfarbe für etwas verbotenes, falsches oder negatives bekannt, blau hingegen signalisiert zumeist Ruhe und Zufriedenheit. Farben, die sich von ihren Assoziationen stark voneinander unterscheiden. Doch der Mensch kann allein durch Ruhe nicht zufrieden sein, er braucht die Herausforderung und sucht sich immer seine Mischung aus beiden aus. "Draus wob die braune Heide sich ein Gewand gar fein" veranschaulicht, die Jahreszeit sei in Bewegung, selbst noch nicht wissend wie genau die Natur das Wachsen auf dieser vorgestellt hat, die Erde wird langsam befreit vom Schmutz des Winters und verwirklicht sich in Form von zarten Blumen. Durch diese Aufbruchsstimmung fühlt sich die Gruppe eingeladen einen Maitanz in der Umgebung zu folgen. Dieses "wir" ist sehr naturverbunden, da sie endlich wieder die lang vermissten Waldvöglein singen hören wollen "Waldvöglein Lieder singen, wie ihr sie nur begehrt".
drum auf zum frohen Springen,
die Reis' ist Goldes wert.
"Hei, unter grünen Linden, da leuchten weiße Kleid" drückt aus das die Strahlung der Sonne die Bäume schon komplett von Schnee und Nass befreit haben und bereits die ersten leichten Kleider getragen werden können. Da "Heija, nun hat uns Kindern" direkt folgt, handelt es sich meiner Meinung nach sowohl in Zeile 16 sowie in Zeile 17 um Kinder, die den Lenz genießen. "ein End all Wintersleid!" zeugt von einem harten Winter. Da die Winter im 13. Jahrhundert eine sehr harte Zeit waren ist dieses Gedicht ein Hinweis auf dem Frühling und auf eine bedeutend bessere Zeit was Lebensqualität und Wohl angeht als auch eine Möglichkeit der damaligen Bevölkerung neuen Mut für das neue Jahr zu schenken.
Ich denke aus den Interpretationen heraus lassen sich die Unterschiede schon sehr gut herauslesen wie Reimschema oder die Länge, die bei "Der Lenz" mehr Details zulässt, aber es sollte gesagt werden das "Der Lenz" mehr das Schicksal der Bevölkerung zur Zeit des 13. Jahrhunders beschreibt und vermittelt wie wichtig der Frühling für die Menschen damals war. "Er ist's" dagegen, geschrieben in einer Zeit, in der man ein im Vergleich zum 13. Jahrhundert auch als Teil der Mittelschicht ein sehr angenehmes Leben führen konnte drängt den Leser mehr dazu hinauszugehen und den Frühling mitzuerleben, es ist als ob der Autor einem Menschen der die Natur scheut oder der die Natur noch nicht in ihrer Schönheit entdeckt hat den Weg zeigen oder gar aufdrängen will, aber das ist schön so!