Presley oder Sinatra, Tennis oder Fußball, Picasso oder Duschamp? Auch die Hirnforschung ist mal wieder uneins: Auf welche von zwei in Betracht kommenden Arten webt der weiche Rechner im Schädel eigentlich aus Sinnesdaten Erlebnisse zusammen? Die erste Fraktion, die sich derzeit um den Verhaltensbiologen Christof Koch am California Institute of Technology sammelt, hält dafür, dass der liebe Denkapparat Erfahrungen jeweils aus lokalen eigenen Schubladen holt und dort abspeichert. Die konkurrierende Richtung, der Pharmakologin Susan Greenfield von der University of Oxford gehorsam, geht dagegen von synchron schwarmartig quer durch den Kopf feuernden Tanzverbänden einander gleichsam beim Erleben ansingender Neuronen aus, die sich danach wieder zerstreuen. Rein kontemplativ lässt sich zwischen den Hypothesen nicht entscheiden, Tests müssen her.
Der Idealproband für ein sachgemäßes experimentum crucis ist weder die Hausmaus noch die Meerkatze, sondern das humanoide Verzweifeltierchen, im Volksmund "linker SPD-Wähler" genannt. Jetzt, da seine Partei es mit ihrer Programmatik wieder einmal gehalten hat wie schon bei den Kriegskrediten, dem Radikalenerlass und dem Nato-Doppelbeschluss (Methode Schlingermitte: Man biege scharf rechts ab, fahre den Karren mit Schwung an die dickste erreichbare Wand und fange danach, zerknautscht und gedengelt, wie verrückt an, links zu blinken), befindet sich der kognitive Klumpatsch des Verzweifeltierchens in exakt dem sinnentleerten Schockzustand, der für das Forschungsvorhaben der Hirnerheller vonnöten ist.
Wählt es nunmehr die nagelneue Linke (vormals PDS/WASG), so hat die Schubladentheorie recht: Erlebnis- und Anschauungskategorien haben ihren festen Platz, verwaltet von den beiden Spiegelneuronen Oskar und Lafontaine; der mentale Sozikomplex wandert, aber er zersetzt sich nicht. Kreuzt es dagegen marginales, aber scharf konturiertes Geflirre wie MLPD oder DKP an, so hat die Greenfield-Schule recht: Flüchtig und vom Rand her denk der Mensch sein Dasein. Wählt das Viech jedoch weiterhin SPD, muss eine dritte Hypothese erwogen werden: Das ganze Phänomen "Bewusstsein" könnte eine narzissistische Selbsttäuschung sein. In diesem letzten (und beklemmendsten) Szenario wäre das Hirn dann so etwas wie eine männliche Brustwarze, ein Pinguinflügel, sprich: ein mehr oder weniger dekoratives, weitgehend funktionsloses Rudiment. So was wie Müntefering halt.