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·published 2007-05-09 21:49 UTC
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Hamm, den 09.05.2007
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

ich schreibe Ihnen heute, um meiner Wut Ausdruck zu verleihen. Ich wende mich zum ersten Mal in meinem jungen Leben an einen Kommunalpolitiker, weil ich vorher noch nicht so sehr in Rage über die Zustände in dieser Stadt gebracht wurde.
Ich will Ihnen meine Beweggründe nahelegen: meine Freunde und ich waren heute Abend des gemeinsamen Fußballspielens wegen verabredet. Wir kommen aus Süddinker, Rhynern, Herringen und Hamm-Süden, allesamt Schüler der zwölften Klasse, Jahrgänge '88 und '89.
Da bei Regenwetter der Bolzplatz, wir nennen ihn "Affenkäfig", an der Talstraße in Rhynern wegen  großer Schlammpfützen vor den Toren unbespielbar ist, haben wir uns entschlossen, das Spiel in Osttünnen an der Davidsstraße stattfinden zu lassen. Zwar sammelte sich dort vor einem Tor ebenfalls Wasser, doch ein freundlicher Anwohner lieh uns einen Eimer, mit dem wir das gröbste beseitigen konnten.
Man könnte meinen, dass wir dann mit dem Spiel beginnen konnten. Doch zwei andere Anwohner traten an den Platz um uns von selbigem zu verweisen. Wir begannen eine Diskussion. Man hielt uns entgegen, ihre anliegenden Gärten würden unter unserem Fußballspiel leiden und wir nähmen den Kindern ihren Fußballplatz weg. Die beiden älteren Herren wiesen auf das Schild am Eingang, das Einlass nur denen gebietet, die das 17. Lebensjahr noch nicht überschritten haben.
Unseren Erwiderungen, ihre Gärten litten genauso und wir nähmen den Kindern den Platz ebenso weg, wenn wir ein Jahr jünger wären, konnten sie nichts entgegensetzen, außer: "Gesetz ist Gesetz".
Einer der beiden riet uns, mit einem etwas hämischen Unterton, wir könnten uns ja an unseren Politiker wenden. Ich hoffe, diesen Satz selbst nie mit Spott sagen zu müssen. Das liegt in Ihrer Hand.
Wir räumten das Feld und fuhren zu einem naheliegenden Fußballplatz, der - wir sind schließlich nicht die einzigen Fußballer in Hamm - leider schon belegt war. ( Zur Anmerkung: ich habe nicht auf die Beschilderung dieses Platzes geachtet. Ich gehe aber davon aus, dass Betreten entweder verboten, oder nur bis 18 Jahren erlaubt ist. Eventuell gehört er auch dem SV Westfalia Rhynern.)
Schließlich konnten wir auf dem fünf Kilometer entfernten Platz der Hellwegschule spielen. Es waren bereits 50 Minuten vergangen. Dort haben wir uns ebenfalls einen Blick auf eventuell vorhandene Schilder gespart. Es wird dort wohl ähnlich gehandhabt werden.

Ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso ich mit 18 Jahren keinen Bolzplatz mehr betreten darf. Habe ich nicht genau so das Recht, mit meinen Freunden zu "pöhlen", wie 17jährige?
Haben Sie, hat die Allgemeinheit nicht auch ein vitales Interesse daran, dass auch 18jährige noch Sport treiben können? 
Zum Beispiel hat heute der Bundestag Eckpunkte für das Programm "Fit statt fett" verabschiedet. Man appelliert an die Bürger, sich mehr zu bewegen. Das klingt für mich schon fast zynisch, angesichts der geschilderten Situation. Sie glauben gar nicht, wie gerne wir dem Appell folgen würden.
Sie könnten natürlich erwidern, warum wir uns nicht einfach in einem Fußballverein anmelden.
Wir sind jedoch größtenteils schon in anderen Abteilungen der Vereine sportlich aktiv. Die Trainingszeiten würden sich höchstwahrscheinlich überschneiden. Es geht auch nicht nur um das Fußballspielen an sich, es kommt uns besonders auf das Fußballspielen mit unseren Freunden an.
Wir würden außerdem gerne dann spielen, wenn wir es wollen und nicht wenn es der Trainingsplan vorschreibt. Außerdem können sich auch 17jährige in Fußballvereinen anmelden. Das ist kein Privileg der Erwachsenen. Es scheint jedoch ein Privileg der Kinder zu sein, Freizeitfußball zu praktizieren.

Angenommen, Sie beharrten auf dem Standpunkt, 18jährige dürfen die Bolzplätze nicht betreten. Dann muss ich Qualität und Quantität der Bolzplätze bemängeln. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als ich aufgrund meines Alters noch legal Freizeitfußball spielen konnte.
Ich wohne in Rhynern. Dort gibt es, wie bereits angesprochen, einen Bolzplatz, außerdem noch einen Tartanplatz, der zur Lohschule gehört und auf dem man nicht spielen darf und drei Plätze des SV Westfalia Rhynern. Die Tatsache, dass ich mit 13 Jahren zur Polizeiwache musste, weil ich auf einem Platz des SV Westfalia gespielt hatte ( obwohl ich zahlendes Mitglied bin), zeigt wohl deutlich, dass das Bespielen dieser Plätze ebenfalls verboten ist.
Die Zahl der legal bespielbaren Plätze in Rhynern ist also Eins.
Finden Sie nicht auch, dass das ein bisschen wenig ist? Fahren Sie doch mal an einem frühlingshaften Sonntag dorthin und machen Sie sich ein Bild. Wollen sie, dass Grundschüler bis nach Osttünnen oder Berge fahren müssen, oder sich strafbar machen, wenn der einzige Bolzplatz in Rhynern belegt ist? Wie gesagt, ist der einzige Platz in Rhynern ist nach regnerischen Tagen nichtmal zu gebrauchen. Die Zahl der verfügbaren Möglichkeiten für Kinder in der Nähe Fußball zu spielen ist dann Null